Im Fahrwasser von Michael Rösch

7. Dezember 2016
Die Wintersport-Saison hat am Wochenende begonnen, auch für die belgischen Biathleten. Der Generalsekretär des Verbandes, Viktor Krings, hat mehrere Ziele formuliert. Ein garantierter zweiter Weltcupplatz, eine WM-Staffel und Olympiateilnahmen werden ins Auge gefasst.
Biathlon in Belgien? Das hört sich zunächst einmal sehr exotisch an. Doch spätestens seit der Einbürgerung von Michael Rösch, immerhin Olympiasieger von 2006 in Turin, erfährt dieser Wintersport, dessen Ursprung vor allem im militärischen Bereich liegt, auch hierzulande immer größere Aufmerksamkeit. „Ein großer Teil des belgischen Biathlon-Teams stellt die Deutschsprachige Gemeinschaft, aber mittlerweile hat der Biathlonverband auch Athleten aus den anderen Landesteilen“, erklärt Viktor Krings, der Generalsekretär des Verbandes, der in dieser Saison gleich an vielen verschiedenen Fronten unterwegs ist. „Das bedeutet vor allem eine intensive Planung“, so Krings weiter. Die Professionalisierung habe laut dem Nidrumer Einzug gehalten im Verband. So werden die Athleten im Vorfeld und während der Saison von Alain Polmans, einen namhaften Langlauftrainer aus Frankreich, und Peter Thomé, Schießtrainer aus der DG, betreut. Sie erhalten regelmäßig Trainingspläne, deren Einhaltung in den Trainingslagern (in diesem Jahr u. a. in Antholz, Altenberg und Oberhof) kontrolliert werden. Weiterhin hat der Eupener Andreas Braun auch einen Part in der Betreuung der Jugendlichen übernommen.
Die Fronten, von denen Krings sprach, damit sind der diesjährige Biathlon-Weltcup, der IBU-Cup, der neu eingeführte IBU-Junior-Cup, einzelne regionale Wettkämpfe sowie natürlich als Sahnehäubchen die Europa- und Weltmeisterschaften gemeint.
Michael Rösch, das Zugpferd, in dessen Fahrwasser die Leistungen der anderen Athleten stetig verbessert werden sollen, tritt im Weltcup an. Für den IBU-Cup, praktisch der zweiten Liga, sind Thierry Langer, Loic Dehottay, Tom Lahaye-Goffart, Rieke De Mayer sowie die Nachrücker Eric Langer und Andreas Braun vorgesehen.
Im neu eingeführten IBU-Junior-Cup gehen sechs Nachwuchstalente an den Start.
Im neu eingeführten IBU-Junior-Cup werden in diesem Jahr sechs Nachwuchstalente an den Start gehen. Ihre Namen: Tom Lahaye-Goffart (darf auch schon am IBU-Cup, s.o. teilnehmen), Marek Mackels, Tim De Ridder, Adriana Vilz, César Beauvais und Pjotr Dielen.
Bei den regionalen Cups werden vier weitere Biathleten des Verbandes Einsätze erhalten. Das sind Samuel Crenier, Florent Gabriel, Guillaume Eyen und Liam Langer.
Die Ziele des Verbandes sind klar formuliert: In der Nationenwertung will Belgien in die Top 25 (zurzeit 27) vorrücken und damit im Weltcup neben Michael Rösch einen zweiten Weltcup-Stammbiathleten etablieren. Außerdem soll bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Hochfilzen vom 6. bis zum 19. Februar eine Staffel aufgeboten werden. Ein Jahr später, im Jahr 2018, ist es das erklärte Ziel, bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang zwei Athleten zu stellen. Das Fernziel ist und muss auch ambitioniert sein: Der belgische Biathlon-Verband will 2022 so weit sein, um bei den Olympischen Winterspiele 2022 in Peking eine Staffel einsetzen zu können. Diesbezüglich hat auch bereits ein erstes Gespräch mt dem Belgischen Olympischen Komitee stattgefunden.
Ersteres, also einen zweiten Fahrer neben dem Olympiasieger Rösch im Weltcup einzusetzen, könnte durch zwei verschiedene Möglichkeiten entstehen (momentan nur dank einer Wild Card möglich). Entweder wird der Franzose Claude Florent noch rechtzeitig naturalisiert (sein Verfahren läuft gerade), oder Rösch fährt wieder in die Top 20 vor. Dass dies geschieht, kann mit Blick auf die vergangene Wintersportsaison stark bezweifelt werden, als der Olympiasieger eine verkorkste Saison hinter sich brachte. Er musste sich vor allem mit Achillessehnenprobleme und dem Pfeifferschen Drüsenfieber herumplagen und war allein auf weiter Flur. „Wir waren zufrieden, dass er es überhaupt zur WM nach Oslo geschafft hatte“, so Generalsekretär Viktor Krings, der glaubt, dass es in diesem Jahr besser für „Micha“ laufen werde. „Er trainiert seit dem Sommer mit dem Schweizer Team, in das er voll integriert wurde. Das ist sehr wichtig, damit er ein professionelles Umfeld hat, das sich unter anderem auch um die ganze Organisation kümmert, und mit anderen Weltcup-Athleten im ständigen Austausch ist“, so Krings weiter. Falls Rösch – aus welchen Gründen auch immer – mal ausfallen sollte, dann könne mit Thierry Langer, der bei der WM in Oslo in diesem Jahr einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht hat, und eventuell dem eingebürgerten Florent ein anderer Biathlet einspringen.
Die Chance, eine Staffel bei der WM aufzubieten, stehen gut. Drei Biathleten (Rösch, Langer, Loic Dehottay) sind bereits qualifiziert. Jetzt muss nur noch Tom Lahaye-Goffart die Qualifikation gelingen. Dafür muss das 20-jährige Talent noch in den IBU-Cups wichtige Punkte in der Weltrangliste sammeln. Den schlussendlichen Bescheid bekommt der Verband deshalb unglücklicherweise erst am 24. Januar. Die WM startet drei Wochen später.
Die Verbandsathleten trainieren unterschiedlich für die Saison . Es gibt kein Leistungszentrum in Belgien bzw. in der DG. Sowieso sind die Biathleten zum größten Teil im Ausland. Nehmen wir beispielsweise Pjotr Dielen. Der 16-jährige Flame wohnt in einem Skygymnasium in Österreich und erhält dort die Unterstützung, die er benötigt. César Beauvais, ebenfalls 16 Jahre alt, wohnt unterdessen in Frankreich und geht dort in eine Sportschule. Ebenfalls in Frankreich wohnt Tom Lahaye-Goffart, der dort studiert. „Beide werden dort stark gefördert und verfügen über perfekte Trainingsbedingungen. Da muss man schon sagen, da hinkt Belgien mit seiner Sportförderung deutlich hinterher“, so Krings. So haben Marek Mackels, Tim De Ridder und Adriana Vilz nicht diese Möglichkeiten. „Ihre Schulen kommen dem Verband zwar auch entgegen, aber nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten“, erklärt Krings, der sich in dieser Saison auch über die erste Belgische Meisterschaft freuen darf. Die findet am 25. und 26. März im Rahmen der Schweizer Meisterschaft in Ulrichen statt. Hierzulande ist die Wetterlage einfach zu unvorhersehbar.

Artikel: Von Mario Vondegracht – Grenz Echo